Seidr: Die neue Welt der Seidr-Magie. Ekstase und Schamanismus im nordischen Heidentum
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- Amazon-Verkaufsrang: #138143 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2002-11-01
- Originalsprache: Deutsch
- Einband: Taschenbuch
- 256 Seiten
Aus der Amazon-Redaktion
Kurzbeschreibung
Die Neun Tore von Midgard hat Edred Thorsson ursprünglich als Arbeitsbuch für seine Rune Gilde geschrieben. Das Buch gliedert sich in 9 Arbeitsschritte.
In jedem Schritt gibt er Hintergrund-informationen und Übungen zum germanischen Pantheon, Seidr, Galdr und weitere wie der Runenmagie. Mit diesem Buch ist dem Autor meisterlich der Spagat zwischen Wissenschaft und Esoterik gelungen. Es ist in erster Linie ein Praxisbuch sowohl für Laien als auch Experten.
Kundenrezensionen
Magie mit viel Zukunft
Die Autorin tanzt als Ethnologien und Religionswissenschaftlerin sowie dabei auch gleichzeitig selbst Praktizierende des Seidr auf beeindruckende Weise zwischen akademischer Welt und derer der aktiven Anhänger. Da es kaum Literatur über Seidr gibt ist es eine Fundgrube für beide Interessentengruppen. Seidr kam erst in den letzten Jahren ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und gilt als effektive geheimnisumrankte ekstatische Magiepraxis. Jenny Blair stellt klar, dass das, was sich gerade neu als Tradition etabliert, nicht als das Seidr vergangener Zeiten verstanden werden kann. Die lückenhaften unvollständigen Fragmente aus den nordischen Sagas und der Edda reichen nicht aus um Seidr zu rekonstruieren. Die Anknüpfung war allerdings ausreichend genug dafür, dass sich innerhalb der „neoschamanischen" Szene etwas sehr fundiertes neu entwickeln konnte. Es gab da keine „Meisterschamanen", die Seidr lehrten, sondern Interessierte, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen austauschten. Den großen Erfolg konnte diese neue magische Bewegung wohl verzeichnen, weil sie vom Ursprung her als „Frauenmagie" galt und deswegen in den eher patriarchalisch geprägten Asatru-Heidenkreisen eine Lücke füllte. Natürlich sind in Seidr Männer nicht ausgeschlossen, wie z.B. auch in Wicca bezieht sich Frauenmagie mehr auf eine weibliche Herangehensweise als auf das primäre Geschlecht des Ausübenden. Ganz grob könnte man sagen, dass in heutiger Zeit überall solch „harte" Wikingergruppen entstanden mit kämpfenden Kriegern und dann die Frauen dort nach etwas anderem suchten und eine eigene Magie etablierten. Deswegen wird selbst in diesen Kreisen von den Männern das Seidr argwöhnisch beobachtet. Man hat wie überall in patriarchalischen Systemen im Grunde Angst vor der Frau und deren weiblichen „empfänglich" sexuellen Aktivitäten und magische Geschlechtspraktiken beunruhigen. Wikinger-Männer wissen nicht, was ihre Frauen tun, während sie damit beschäftigt sind, „Wikinger zu spielen". Die Männer haben ihre athletischen Wettstreite, die Frauen betreiben jedoch Magie. Immer mehr Männer interessieren sich allerdings auch für diese neu-alte Tradition und werden in den nordischen Asatru-Szenen deswegen ebenso misstrauisch beäugt wie die Frauen. Seidr ist fürs Patriarchat eine problematische, gefährliche Sache. Als Seherin kann man noch romantisiert werden, aber Männer die auf weibliche Art beginnen Magie zu betreiben, entsprechen nicht mehr dem Bild des unabhängigen und freien Wikingers. Im Seidr geht man aber das Männliche und Weibliche hinaus und betrachtet es aus übergeordneter neutraler Position. Wie überall im Schamanismus ist die Definition von Sexualität nicht etwas, das zwischen zwei Menschen stattfindet, sondern sich in allen Beziehungen zur Schöpfung (nicht nur in den offenkundig sexuellen) ausdrückt. Aus den alten nordischen Texten wird deutlich, dass Seidr dort eigentlich auch schon aus Verbindungen zum samischen Schamanentum Einkehr in das nordische Religionsleben gefunden hatte. Es ist nichts ungewöhnliches, dass der Neoschamanismus in heutiger Zeit ebenso wieder eine Attraktion für nordische Religionsausübende darstellt.
Der Arun-Verlag hat mit der Veröffentlichung dieses Titels einmal mehr eine gute Wahl getroffen. Dieses Buch liefert das Grundlagenwissen zum aktuellen Stand der Beschäftigung mit einer innovativen Ekstase-Magie, die in kommenden Jahren noch viel an Bedeutung zugewinnen wird.
Seidr aus diversen Perspektiven
Jenny Blain ist nicht nur Praktizierende Seidkona sondern auch Ethnologien und wagt in diesem Buch genau diese beiden Perspektiven zu Wort kommen zu lassen. Sie schreibt, dass ihr bewusst ist, dass dieses Buch deswegen umstritten ist, meiner Meinung nach ist genau dies der Gewinn des Buches, denn die Autorin weiß wovon sie spricht. Tatsächlich fand ich persönlich den Erfahrungsteil am interessantesten. Das Buch ist leicht wissenschaftlich geschrieben, allerdings auch für Nicht-akademiker gut lesbar. Jenny Blain deckt die Ursprünge des heutigen Seidr auf, das eher aus neuere Schamansiche Bewegungen resultiert, als auf überlieferte Techniken. Sie geht auf mehrere Quellen des Seidr ein, aber auch darauf, wie die Seidman in der Bevölkerung aufgenommen wurden, denn auch heute noch wird Seidr teilweise mit gemischten Gefühlen begegnet. Vor allem die Technik des Orakel Seidr wird beleuchtet, aber auch das "draußen Sitzen". Viele Praktizierende drüfen sich zu Wort melden, aber auch auf Streitpunkte in der Szene wird eingegangen und sehr schön auch auf die Geschlechterfrage, denn ob Seidr nur Frauenmagie ist und Männer "unmännlich" macht, wird auch heute noch oft angesprochen. Doch auch hier zeigt sich, dass die Frage, was denn genau alles Seidr ist, und in wie weit es zum Schamanismus gezählt werden kann, nicht allzu leicht zu beantworten sind.
Manchmal hätte ich mir zwar einige Definitionen (z.B. was genau "Kernschamanismus" ist) gewünscht, aber da die Autorin sehr oft Ansichten wiederholt, ist es dennoch nicht schwer ihr zu folgen. Die Definition(en) von Schamanismus hätte ich auch lieber am Anfang gelesen.
Dieses Buch bringt dennoch sehr schöne Einsichten in Seidr, seine Praktizierenden und den meisten Diskussionsthemen dieser Technik(en) betreffend. Es ist aber kein Buch, dass einem primär beibringt, wie man Seidr praktiziert! Sicherlich ist es möglich einige Praktiken aus diesem Buch abzuleiten, aber wer ein Buch "wie lerne ich die Seidr-Techniken" erwartet, wird hier nicht voll auf seine/ihre Kosten kommen! - Es ist aber auch gar nicht das Ziel dieses Buches einem Seidr beizubringen, doch ich kann verstehen wenn Leute durch einen allgemeinen Mangel an Seidr-Literatur dies von diesem erwarten und entsprechend dann evt. enttäuscht sind.
Die Neun Welten der Seidr Magie
Wenn man sich mit der nordischen Mythologie beschäftigt und bei den Runen angelangt ist und tiefer in die „Geheimnisse" eintaucht, trifft man auch Rituale und Ausformungen ganz besonderer Art, neben „Galdr" taucht plötzlich „Seidr" auf, doch was es damit auf sich hat, ist schwer verständlich, da die Ablehnung groß ist und Quellen rar sind.
Die Autorin Jenny Blain hat in Ihrem Buch „Seidr" in einer Übersetzung aus dem amerikanischen von John William Daly ein Themenkomplex wissenschaftlich und doch verständlich dargelegt, welcher so meiner Kenntnis nach, noch nie deutschsprachig in dieser Komplexität und Sachkenntnis erhältlich war.
Was „Seidr" ist und was es bedeutet ist schwer darstellbar, denn man streitet sich bereits beim Namen und der Ausformung. „Seidr" sind knapp gesagt, Trancereisen an den Ursprung und das Herz der nordischen Religion. Die Autorin macht keinen Hehl davon, daß sie selbst eine „spaefrau" oder „seidkona" ist und damit sind wir bereits in der Problematik. „Seidr" wird vielfach so gesehen, als wenn die Ausübung „negativ" ist und Probleme für andere Menschen verursacht. Ich kann nur sagen, daß ist nicht korrekt, denn letztendlich ist der Mensch derjenige, welcher die Fäden nach links oder rechts webt. „Seidr" oder „spae" ist ein und das selbe, wobei ich sehr angetan bin von den Beschreibungen um das Hochsitzseidr aus den Vereinigten Staaten, die als Quelle dienen, um diese besondere Ritualform des Trance-Wahrsagens wieder aufleben zu lassen.
Die Autorin sagt nachdrücklich, daß die Rekonstruktion lückenhaft ist und der geschichtliche Kontext der damaligen Zeit (beginnende Christianisierung) nicht außer Acht gelassen werden darf. Dennoch sind die Ergebnisse ermutigend. Jedoch ist die Ausübung von „Seidr" ohne eine eingehende Schulung der Begrifflichkeiten und äußeren wie inneren Umstände nicht möglich, die Ergebnisse würden ansonsten abweichen.
„Seidr" ist kein Schamanismus. „Seidr" ist ebensowenig schwarze Hexenkunst. Seine Ursprünge liegen im Dunkeln und der Weg ist beschwerlich. „Seidr" ist ebensowenig nur für Frauen da, wie Männer als „ergi" zu bezeichnen sind, welche Seidr ausüben.
Die Autorin Jenny Blain hat in Ihrem Buch „Seidr" alle verfügbaren Quellen zusammen getragen, um „Seidr" zu bewerten und einer ethnologischen Prüfung zu unterziehen. Dies ist ihr mit Auszeichnung gelungen und dafür bin ich ihr sehr dankbar. Sie zeigt auf, wozu „Seidr" benutzt wird, was es bringt, wie man es ausübt und wohin es führt. Ihre eigenen Erfahrungsberichte sind Gold wert und ihre Beschreibungen vermitteln ein kristallklares Bild der Szene in USA, England und Schweden und gewährt dem Leser tiefe Einblicke in die rituelle Praxis, derer die „Seidr" heute aktiv ausüben. Auch Ihr Quellenstudium und diese Darlegungen sind perfekt.
Ihre Beschreibungen des „Draußensitzens" sind ebenso hilfreich, wie ihre Interpretation des Geschlechterwandels im Zusammenhang im „Seidr". Die Autorin bringt „Seidr" in diesem Buch tatsächlich auf den Punkt und das mit sehr klarem Sachverstand, obwohl sie „Seidr" selbst ausübt (oder vielleicht gerade deswegen). „Seidr" in der Ausübung innerhalb einer Gruppe wird ebenso von ihr klar dargestellt, wie privates „Seidr" und zu eigenen Zwecken unternommene „Reisen". Hilfsmittel finden ebenso Erwähnung, wie deren Probleme, welche sie verursachen können.
Dieses Buch ist ein Meilenstein in der Bewertung und Transparenz der nordischen Magieausübung. Das sich die Autorin hier eine Menge Arbeit gemacht hat, merkt man schon auf den ersten Seiten und das sie dennoch so sachlich und klar darüber schreibt, verdient höchstes Lob. Dieses Buch ist eine absolute Fundgrube an Informationen über diese Thematik und Technik und zur Zeit einzigartig auf dem deutschen Buchmarkt. Für Fachleute (Frauen wie auch Männer) und Einsteiger gleichermaßen ein Muß.

